„In tiefer Sorge um den WDR“

Im #metoo-Skandal des Senders kommt Kritik an Intendant Tom Buhrow auf

WDR-Intendant Tom Buhrow: der erfahrene TV-Journalist muss jetzt interne Missstände angehen.

Beim WDR nimmt der Unmut der Mitarbeiter über den Umgang von Intendant Tom Buhrow mit dem hauseigenen #metoo-Skandal zu. Der Sender reagiere nicht entschieden genug auf die Vorwürfe sexueller Belästigung. Das wichtigste Kontrollgremium des Senders zeigt sich unterdessen ob der Kritik an Buhrow ratlos.

von Wigbert Löer / Marta Orosz

 Eigentlich sollte alles so schön werden. „Ich bring die Liebe mit“, hatte Tom Buhrow verkündet, als er vor fünf Jahren Intendant des Westdeutschen Rundfunks wurde. Heute ist von Liebe wenig zu spüren. Seit CORRECTIV und „stern“ Anfang April den ersten und anschließend zwei weitere Fälle sexueller Belästigung im WDR aufdeckten, taumelt die Anstalt von Vorwurf zu schlechtem Krisenmanagement zu Panik.

„Kühlen Kopf bewahren!“, gebot Tom Buhrow seiner Belegschaft vorigen Freitag im Intranet. Die Frage ist allerdings, ob er selbst nicht etwas zu cool bleibt.

Ein System der Vertuschung

Erst Ende März hatte der WDR-Rundfunkrat den Vertrag des Intendanten vorzeitig verlängert. Aus heutiger Sicht könnte man auch sagen: gerade noch rechtzeitig. Denn in diesen Wochen schlittert der meist jovial auftretende Buhrow durch die schwierigste Zeit seiner Intendanz. Vergangene Woche berichtete der „Spiegel“ von einem vierten Fall: Einem Mitarbeiter der Revisionsabteilung hätten Kollegin­nen massive Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gemacht. Damit wäre jemand, der WDR-intern ermittelt, selbst zum Fall für interne Aufklärung geworden.

Es scheint, als offenbare sich ein System der Verdrängung und Vertuschung. Ganze acht Jahre ist es her, dass sich der WDR-Korrespondent Arnim Stauth mit Hinweisen auf Vorwürfe sexueller Belästigung an die Senderspitze gewandt und auf deren Wunsch den Kontakt zu den betroffenen Kolleginnen hergestellt hat.

Doch warum wurde er danach von der Personalabteilung einbestellt und offiziell ermahnt? Und warum wurde wenig später bei einer WDR-Führungskraft, der man angeblich nichts nachweisen konnte, eine Glasscheibe in die Bürotür eingesetzt?

Aus Sicherheitsgründen, sagt der WDR auf Anfrage, so wie in anderen Büros auch. Nichts habe das mit der Person zu tun.

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