Die Magengeschwüre des Herrn Polenz

„Wenn Gauland schreiben darf, kündige ich“

Er kann einfach keine andere Meinung aushalten: Der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz – heute auch als Facebook-Troll bekannt – hat sein „FAZ“-Abonnement gekündigt und will sich dafür von den Gutmenschen feiern lassen. Öffentlichkeitswirksam begründete er seinen Schritt in einer Art offenen Brief damit, dass die Zeitung AfD-Chef Alexander Gauland „redaktionellen Raum zur Verbreitung seiner Propaganda zur Verfügung“ gestellt habe. In der Tat: Der Oppositionsführer durfte als „fremde Feder“ unverzerrt seine Meinung zum Thema „Populismus“ darstellen (Jouwatch berichtete).

Doch Menschen wie Polenz bekommen Magengeschwüre, wenn sie etwas anderes als ihre Meinung serviert bekommen. Wie alle anderen Kritiker des Gauland-Beitrages bemängelt Polenz auch nicht irgendeinen Inhalt. Das Anstößige besteht ausschließlich darin, dass der AfD-Chef in einem deutschen Medium überhaupt zu Wort kommen darf. Polenz schreibt das dann auch genauso: „Dieser Legitimitätstransfer ist unentschuldbar und gefährlicher als der Beitrag selbst.“

Aus Sicht des früheren CDU-Generals, der heute mit Copy and Paste die immer gleichen Pöbeleien in Facebook-Accounts anderer User spammt, gewinnt Gauland seine demokratische Legitimität also nicht aus der Tatsache, dass er die größte Oppositionspartei anführt, sondern dadurch, dass die „FAZ“ ihn schreiben lässt – was für eine verquere Denke in der Filterblase „Jeder, der Merkel kritisiert, ist kein Demokrat“.

Für den Kanzlerin-Verehrer ist nun „eine Grenze überschritten worden, die Qualitätsjournalismus meiner Meinung nach nicht überschreiten darf: die Grenze zu Feinden unserer Demokratie“. So einfach und schlicht ist das Weltbild von Herrn Polenz – und wahrscheinlich auch das der Rest-CDU sowie ihrer Vorsitzenden, die sich mit dem selbstzugewiesenen Adjektiv „alternativlos“ jenseits aller Kritik zu bewegen dürfen glaubt.

Für Polenz ist daher auch alles ganz „schlimm“: „Schlimmer als der Inhalt seines Beitrags ist der verheerende Eindruck, der dadurch entstanden ist: Wer in der FAZ, der seriösen ‚Zeitung für Deutschland‘, schreiben darf, der kann so schlimm nicht sein.“ Dabei sei Gauland – Polenz muss es noch einmal betonen – „ein Feind unserer Demokratie“. Und das „müsste gerade der FAZ klar sein“, behauptet er.

Daher seien aus seiner Sicht der FAZ „die Maßstäbe für eine wehrhafte Demokratie derart abhanden gekommen“. So ein Blatt wolle er „nicht weiter beziehen“. Er kündige zum „nächstmöglichen Zeitpunkt“.

Es stehen ja genug Alternativen bereit: „Neues Deutschland“ und „junge Welt“ – wie in guten alten Zeiten, lieber Herr Polenz. (WS)

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